AWO startet mit Schwung in das Jubiläumsjahr
Arbeiterwohlfahrt feiert Gründung vor 100 Jahren

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Für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat mit dem Jahreswechsel ein ganz besonderes Jahr begonnen: sie wird 100 Jahre alt. Unter dem Motto „100 Jahre AWO – Erfahrung für die Zukunft“ – startet die AWO nun die Feierlichkeiten zu ihrem 100. Geburtstag.

Es war am 13. Dezember 1919 als die Entscheidung fiel, die AWO zu gründen. Ausgangspunkt war die sozialdemokratische Frauenbewegung, die sich um die Jahrhundertwende der Wohlfahrt zugewandt hatte. Schon 1913 dachte die spätere AWO-Gründerin Marie Juchacz nach vielen Gesprächen mit Arbeiterfrauen über die Gründung einer „Arbeiter-Hilfeorganisation“ nach. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach jedoch die Bemühungen um eine eigenständige Selbsthilfeorganisation. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war das Land politisch instabil, sowie wirtschaftlich und sozial ruiniert. Millionen Menschen hungerten. Die Massenverelendung forderte die Selbsthilfe und die praktische Solidarität vieler freiwilliger Helfer geradezu heraus. Doch ohne organisatorische Hilfe war die Situation nur schwer zu meistern. Es lag nahe, die Idee, aus der Arbeiterbewegung heraus eine Wohlfahrtsorganisation zu bilden, wieder aufzugreifen. Marie Juchacz schlug am 13. Dezember 1919 dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei vor, „dass wir innerhalb der Parteiorganisation eine sozialdemokratische Wohlfahrtspflege konstituieren“. Die SPD-Spitze folgte dem Vorschlag und gründete den „Hauptausschuss für Arbeiter-Wohlfahrt“ als Teil der SPD. Die Geschichte der AWO unter dem Leitmotiv „Hilfe zur Selbsthilfe“ begann. 

100 Jahre später sind die Anliegen, mit denen Marie Juchacz 1919 die Arbeiterwohlfahrt gegründete und ihr Selbstverständnis und ihren Anspruch geprägt hat, weiter aktuell: Frauenrechte, Vielfalt, Teilhabe, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Solidarität, sind Themen, für die sich die AWO seit ihrer Gründung im Ehrenamt und im Hauptamt engagiert.

Damals wie heute wird die AWO gebraucht, um denjenigen eine Stimme zu geben, die nicht immer für sich selbst eintreten können oder schlicht nicht gehört werden. Unsere Gesellschaft basiert auf dem Ziel von sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit. In einer älter und zunehmend verunsicherter werdenden Gesellschaft braucht es eine funktionierende soziale Infrastruktur im Quartier, von Kindertagesstätten, über Beratungseinrichtungen bis hin zu Seniorenzentren. Dafür setzt sich die AWO ein.

Doch auch gesellschaftspolitisch will sich die AWO weiter einmischen: Die zunehmende Ungleichheit untergräbt den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und entlädt sich in einem Zulauf zu politischen Extremen. Angesichts dieser Entwicklung muss es die Aufgabe der Politik sein, das verloren gegangene Vertrauen der Menschen in den demokratischen und sozialen Rechtsstaat wieder zurückzugewinnen.

Mit ihrer annähernd 100-jährigen Geschichte zählt die AWO zu den ältesten Wohlfahrtsverbänden in Deutschland und wird bundesweit von über 335.000 Mitgliedern, 66.000 ehrenamtlich engagierten Helfer*innen sowie 225.000 hauptamtlichen Mitarbeiter*innen getragen.  Mehr Informationen zum Jubiläum gibt es auch unter: www.100JahreAWO.org